Mittelalterliche Tafelfreuden Teil 3 - Küche und Festsaal

Shownotes

In der dritten Episode geht es um den gedeckten Tisch auf der mittelalterlichen Burg: Wo wurde im Alltag gespeist, wo an Festtagen — und warum ist der sogenannte „Rittersaal“ eigentlich ein moderner Begriff? Außerdem werfen wir einen Blick in die Burgküche: auf Herdfeuer, Kugeltöpfe, Grapen, Trichter, Ketten, Messer und andere Geräte, mit denen Speisen zubereitet wurden. Die Folge zeigt, wie eng Repräsentation, Alltag und praktische Küchenarbeit im mittelalterlichen Burgleben miteinander verbunden waren.

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Transkript anzeigen

00:00:11: Hier ist der Podcast der Deutschen Burgenvereinigung.

00:00:15: Wir haben uns den Erhalt und die Erforschung europäischer Burgen- und Schlösser zum Ziel gesetzt.

00:00:27: Hallo meine Lieben, hier ist Isabel Gronack-Walz Und ich bin in Braubach Mir gegen Übersitzer Dr.

00:00:34: Reinhard Friedrich Der langjährige Leiter des Europäischen Burgeninstitutes Und wir unterhalten uns heute wieder über den gedeckten Tisch im Mittelalter.

00:00:45: Ja,

00:00:46: da komme ich direkt zu der Frage.

00:00:47: Wo hat man denn gespeist?

00:00:50: An welchen Orten fanden die Essen

00:00:52: statt?

00:00:53: Ja auch das ist natürlich unterschiedlich, wenn wir jetzt sagen mal wirklich vom Festessen sprechen oder von der Bewürdung wie wir es zur Weihnachten kennen, dass man also Gäste hat oder eben politisch motiviert auch Essen veranstaltet.

00:01:08: Das wird sicherlich im repräsentativen Saal einer Burg stattgefunden haben, das was wir heute als Rittersaal bezeichnen.

00:01:16: Das ist ein Begriff dabei erst aus dem neunzehnten Jahrhundert stammt.

00:01:20: Es gibt einen großen repräsentativen Saal aber das eine Art multifunktionaler Raum wo man sicherlich große Feste feiert hat, wo man auch an anderen Tagen Gericht gesprochen hat Wo man Versammlungen abgehalten hat zu dienstlichen Besprechungen innerhalb der eigenen Gemeinschaft oder eben auch mit den Untertanen.

00:01:43: Also das gibt einen großen Saal in einem Hauptgebäude, dem Palas meistens zum ersten Geschoss gelegen und da kann man sich auch gut vorstellen und es ist auch nachgewiesen dass solche wenn es größere Feste waren man sie eben da abgehalten hat.

00:02:00: Dass alltägliche Essen wird sie ja häufig in der Küche abgespielt haben so wie heute auch.

00:02:06: Ja, interessant.

00:02:07: Die Idee des Esszimmers ist eine Idee, die relativ jung ist wenn man aus dem Mittelalter blickt.

00:02:13: Die ersten Esszimmer, die mir bekannt sind, kommen aus

00:02:16: dem achtzenden

00:02:17: Jahrhundert wo man sich dann zurückziehen wollte auch in kleinerer Runde um dort zu speisen.

00:02:24: und diese großen riesen großen Tafeln, die gibt es dann eigentlich erst sehr viel später.

00:02:31: Vorher wurde nämlich der Essstisch aufgeschlagen das heißt auch in der mittelalterlichen Burg.

00:02:35: da hatte man keinen riesenlangen Tisch sondern er wurde extra für so einen Festessen aufgeslagen.

00:02:45: Aufgeschlagen oder auch aufgestellt also den ganz Begriff die Tafel aufheben und das können wir aus billigem Darstellen ist wirklich ein großes langes Brett mit vier Griffen an jedem Ende aufgetragen, direkt reingetragen hat.

00:02:59: Auf ein Gestell gesetzt und dann wieder abgetragen hat.

00:03:02: aber es gibt auch klapptische sicherlich die dann aufgeschlagen wurden.

00:03:06: Ja und hier spricht mal wieder die Hausfrau wenn man solche bildlichen Darstellungen sieht in den Träerisch-Örde Lückte Berie sieht man zum Beispiel eine solche Tafel dann sieht man dort sehr schöne Tischtücher Und die sind natürlich ganz besonders wichtig.

00:03:22: Wenn der darunter liegende Tisch jetzt nicht so feins isoliert ist wie Tische aus dem neunzehnten Jahrhundert, sondern wenn man tatsächlich die eigentliche Tafel hauptsächlich verwendet dann muss man sie schmücken und dann hat man dort Tischwäsche.

00:03:39: und diese Tischwäsche ich habe es in der letzten Folge schon gesagt Wenn die besonders edel sind, dann sieht man dort die Plätt-Falten und sie sind ganz deutlich zu sehen.

00:03:51: Das was wir heute als Hausfrauen überhaupt nicht wollen nämlich Falten in einem Tischtuch das ist damals ein Zeichen dafür dass man tatsächlich geplettet hat.

00:04:01: Und vielleicht noch eine kleine Anekdote, das ist jetzt allerdings die frühe Neuzeit.

00:04:05: Das ist die Königin Elisabeth in England.

00:04:09: Dort gibt es Rechnung dass sie ihre Tischwäsche weil sie nämlich ihren eigenen Leuten nicht getraut hat, die richtig sauber zu bringen.

00:04:17: Die hat mit dem Tisch rüber gebracht nach Frankreich wo die besseren Wäscherinnen waren und Die wurden dort gewaschen, geplettet und wieder zurück verschickt.

00:04:28: Ob sich das nur um eine Anekdote handelt?

00:04:31: Ich habe gehört es gibt tatsächlich diese Rechnungen die noch überliefert sind.

00:04:35: mit der Wäsche hatte man so seine Not und man hat da auch durchaus Aufwand betrieben.

00:04:41: So viel zu Tischwäsche in früheren Zeiten.

00:04:47: Ja also Plättsteine haben wir auch sicherlich schon ab und so welche gefunden bei Kramungen, also große runde Steine die wenn sie erhitzt sind.

00:04:56: Man auch gut zum Gleppen von Wäsche nehmen können.

00:05:00: Es gibt eigentlich keine andere Verwendung dafür als dass sie als Blätsteine gedient haben.

00:05:06: Neben der Festtafel ist aber auch die Küche ein wichtiger Ort wo man mit dem Thema Ernährung und auch Essen und auch Geräten zu tun hat es eben nach wie vor Also wie heute auch früher schon ein sehr spannender Ort, an dem man auch sicherlich gesellig zusammenkam.

00:05:25: Es wurde sicherlich das alltägliche Essen insbesondere für die Knechtschaft im Bereich der Küche eingenommen mit einfachem Geschirr.

00:05:35: aber wir kennen eben auch zahlreiche spezielles Küchengeschirr und Küchengeräte, die wir bei Graben gefunden haben Vorhin schon die Kugeltöpfe einmal besprochen, also die man in die Herdglut stellen konnte.

00:05:51: Für dies aber auch später eiserne Ringe gab indem man so einen Dreibein am Eisendring, indem man zu einem kugelförmigen Topf eben reinstellen konnte und dann hat man das später weiterentwickelt und diese drei Beine direkt an den Topf dran gemacht aufs Ton und das ist dann die Form der Graben oder des Graben die es sowohl aus Ton als auch in besseren Fällen aus Metall gab.

00:06:18: Auch in der Küche braucht man Ausstandgefäße, Krüge aus etwas einfacher Material sogenannte reduzierend gebrannte Irrenware also eine gräuliche Ware, die eher grau gefärbt nicht gräule vom Ansehen her, die man wohl weniger auf dem Tisch hat gestellt hat sondern die in der küche als Ausstand Gefäße dienten.

00:06:40: aber wir finden bei Ausgrabungen lange große Ketten mit verschiedenen Haken dran, die sicherlich dazu dienten in der Küche den Topf über dem Herdfeuer in verschiedenen Höhen aufhängen zu können.

00:06:56: Daneben verschiedene Form von Messern Beile natürlich um die Speisebeigaben zu zerteilen.

00:07:07: Das Ausbeinen ist ja auch eine Sache, die in der Küche dann geschehen ist.

00:07:11: Also da finden wir ne ganze Reihe von Geräten, die auch mit der Zubereitung der Speise in der Kirche zu tun haben.

00:07:19: Ich durfte eben einmal in das Bildarchiv von Herrn Dr.

00:07:22: Reinhard Friedrich gucken und da habe ich etwas ganz Interessantes gesehen und das war ein Trichter!

00:07:28: Ein Trichte aus Keramik... ...aus dem Mittelalter

00:07:32: Ja und zwar den konnten wir gut datieren Spätenmittelalter, das heißt aus der zweiten Löffel des vierzehnten Jahrhunderts und da kennen wir auch wirklich gute bütliche Darstellungen sogar mit fast so einem Trichter.

00:07:44: Der wurde auf der bildlichen Darstellung zur Produktion von Wein verwendet also wo der fertige Wein dann in das Fass gefühlt wird.

00:07:52: aber ein Trichta braucht man natürlich für verschiedene Bereiche und es waren recht große Trichte im Durchmesser von bis zu dreißig Zentimetern.

00:08:04: da waren in dieser Burgküche gleich mehrere vorhanden, mindestens acht bis zehn von diesen Trichtern, die haben wir erfinden können.

00:08:11: Die gleichen Form aber wie eine Schüssel nur dass man eben unten den Schüsselboden dann durchstoßen hat und einen Drichter dann gesetzt

00:08:18: hat.

00:08:20: Und wenn ihr euch in die Museen begebt, dann möchte ich euch noch auf etwas Aufmerksam machen und zwar sind das unterschiedliche Arten Schüsseln bzw.

00:08:30: wie solche Krüge hergestellt wurden, da gibt es nämlich die Hand gefertigten und die gedrehten?

00:08:37: Ja man unterscheidet wachlich zwischen einer langsam drehenden Scheibe also die handgefährdigte Ware Also wird hier einen kleinen Wülstenaufbau Keramik nennt man das aber auch.

00:08:49: dazu ist es natürlich praktisch ein Drehbaren Untergrund zu haben um einfach die Platte an dem man jetzt mit der Hand so ein Kug oder einen Kugeltopf aufgebaut wird, ein bisschen drehen zu können.

00:09:01: Das andere ist aber und das ist was sehr wichtiges die schnelldrehende Scheibe wie wir es nennen also eine große Töpferscheibe dass die klassische Töpferscheibe mit einem großen massiven Schwungrad unten drunter, dass man einmal mit den Füßen auf Schwung bringt, dass sich durch den Drehmomentan diesen Schwung sehr lange beibehält wo man dann feinen Gefäße.

00:09:24: Wir hatten vorhin, die ich akkubakante aus dem Siegburger Steinzeug sehr dünn, den man dann vorsichtig auf der schnelldrehenden Scheibe hochziehen kann.

00:09:33: Das sehen wir auch einem Gefäß selber diese Drehriefen innen drin.

00:09:37: da kann man sofort erkennen wo es auf einer schnelldrehenen Scheibel so eine Drehscheibe gedreht wurde oder ob jetzt nur Aufbau.

00:09:43: Keramik ist Übrigens gar nicht so einfach.

00:09:46: das wichtigste ist das Zentrieren.

00:09:48: Man muss diesen Tonkloppen wirklich genau in der Mitte zentrieren sonst Das kann man sich vielleicht vorstellen oder ich werde das mal ausprobiert hat.

00:09:55: Das kann ich auch nur empfehlen, sonst auf einer gewissen Höhe fliegt einem durch die Schwerkraft dieses Gefäß dann wieder auseinander wenn man es nicht vorher sauber zentriert hat.

00:10:06: Ja und ein kleiner Nachtrag zum gedeckten Tisch.

00:10:09: was ihr vielleicht alle vermisst habt sind die Gabeln Und tatsächlich ist es so dass die Gabelen erst sehr viel später aufkommen.

00:10:16: Die kommen erst im fünften, sechzehn Jahrhundert auf also in der Neuzeit Nicht nur in der frühen Neuzahl sondern da sind wir schon wirklich in der Neuzeit.

00:10:25: Ja, und dann habe ich noch etwas sehr Interessantes in diesem Bildarchiv gesehen und es war ein Fund aus der Burg Bomersheim und da hat mich ganz besonders gefreut weil ich bisher nicht wusste das so etwas existierte.

00:10:38: und dass ist ein Kandelaber aus Metall was den Tisch geschmückt hat und wo man Kerzen hineingestellt hat?

00:10:47: Ja genau mit zwei... Ein zweiamiger Kerzenhalter Tülen, so wie wir die heute auch noch kennen.

00:10:53: Wo dann die Kerze aus Wachs reingestellt wurde und der ist sicherlich datiert ins Jahr thirteen eighty-two, weil da die ganze Burg zerstört worden ist man den ganzen Hausrat in den Wassergraben geworfen hat, aus welchem Grund auch immer und das für uns Archäologen natürlich eine wunderbare Quelle.

00:11:11: So einen festen Zeitschnitt Februar thirteen eighty zwei durch dem Haushalt einer Birg doch recht gut erhalten geblieben

00:11:22: ist.

00:11:23: Wo man wieder sieht, die Katastrophen der Vergangenheit ist manchmal das Glück für heute oder jedenfalls vermehrtes Unser Wissen.

00:11:31: nicht nur der Ausbruch des Vesuvs sondern auch die hiesigen Fäden tragen dazu bald dass wir bestimmte Zeitschnitte haben.

00:11:40: Ja, wir haben sehr viel gelernt über den gedeckten Tisch auf Burgen.

00:11:45: Über die Küche, über die Keramikgefäße, über Metall und Glas Auf dem gedeckenen Tisch im Mittelalter Und ich freue mich schon auf unsere nächste Folge.

00:11:56: Vielen

00:11:57: vielen Dank Herr Dr.

00:11:58: Reinhard Friedrich.

00:11:59: Bitte

00:11:59: sehr!

00:12:01: Wir hören uns wieder an dieser Stelle.

00:12:09: Wenn Sie mehr über die Arbeit der Deutschen Burgenvereinigung erfahren wollen oder sich für eine Mitgliedschaft in der deutschen Bugenereinigung interessieren, schauen sie auf unsere Homepage www.deutsche-burgen.org.

00:12:27: Alle Informationen finden Sie in den Show Notes dieses Podcasts!

00:12:31: Wir freuen uns über Ihr Interesse.

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