Mittelalterliche Tafelfreuden Teil 2 - Gläser und Besteck

Shownotes

Wie sah eigentlich eine festlich gedeckte Tafel auf einer Burg aus? Zwischen Kerzenschein, Speiseduft und kostbaren Gefäßen erzählen uns Glas und Besteck viel über Reichtum, Rang und höfische Sitten.

In dieser Folge von „Unsere Burgen“ geht es um die mittelalterliche Tischkultur: um Messer und Löffel, um Trinkgefäße aus Holz, Metall oder Glas – und um den berühmten Nuppenbecher, dessen aufgesetzte Glasnoppen nicht nur schmückten, sondern auch für besseren Halt sorgten.

Außerdem werfen wir einen Blick auf das Aquamanile: ein kunstvoll gestaltetes Gießgefäß, oft in Tier- oder Fabelwesenform, mit dem man sich vor und während des Mahls die Hände wusch. Denn wer im Mittelalter tafelte, brauchte nicht nur Appetit, sondern auch Etikette.

Was stand also auf der mittelalterlichen Tafel? Und was verraten Becher, Schalen und Waschgefäße über das Leben auf der Burg?

Weitere Information auf https://www.colognedigital.de/podcast/unsere-burgen Landkarte zum Podcast: www.colognedigital.de/podcast/unsere-burgen Weitere Information zu den Burgen finden Sie in der Burgendatenbank: https://www.ebidat.de/

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Transkript anzeigen

00:00:11: Hier ist der Podcast der Deutschen Burgenvereinigung.

00:00:15: Wir haben uns den Erhalt und die Erforschung europäischer Burgen- und Schlösser zum Ziel gesetzt!

00:00:28: Hallo meine Lieben, hier ist Isabel Gronack-Walz und ich bin in Braubach.

00:00:34: Mir gegen Übersitzer Dr.

00:00:35: Reinhard Friedrich, der langjährige Leiter des Europäischen Burgeninstitutes Und wir unterhalten uns heute wieder über den gedeckten Tisch im Mittelalter.

00:00:46: Das ist der zweite Teil unserer kleinen Reihe und heute soll es um das Thema Glas gehen, Glas und Metall!

00:00:54: In der letzten Folge hatten wir uns unterhalten über Ton-, Töpfe-Ton-, Krügebecher aus Ton und Keramik – jetzt geht's um Glas und Metal!

00:01:05: Ja, lieber Reinhardt was stand auf dem Tisch?

00:01:09: an Gläsern.

00:01:13: Ja, da muss man ein kleines bisschen ausholen.

00:01:16: Glas und Glasherstellung ist ja immer was Besonderes und insofern galt Glas eigentlich zu allen Zeiten als prestigial Objekt wo man auch sich mit darstellen konnte.

00:01:26: natürlich es war etwas Kostbares das nicht jeder hatte und dass Fermans hatte hat man damit natürlich auch ein bisschen angegeben.

00:01:34: Die Römer waren in der Glasherstellung sehr sehr führend.

00:01:37: In Köln gibt's ja einen wunderbares Museum Wo zahlreiche römische Gläser ausgestellt sind, das lohnt sich sicherlich da mal durchzugehen.

00:01:46: Dieses Wissen ist aber dann nach und nach verloren gegangen hat sich in Klöster noch ein bisschen erhalten und natürlich im Mittelmeerraum wo über Ostrom bezahnt die ganze Kenntnis der Glasherstellung weiter lief und auch weiter produziert wurde.

00:02:03: Hier im Mittelalter, im frühen Mittelalter und im achten neunten zehnten Jahrhundert ist Glas dann etwas ganz seltenes.

00:02:10: Kommt aber dann im Laufe des zwölften Jahrhunderts wieder auf sicherlich vermittelt auch über die Mittelmeerregion.

00:02:16: durch die Kreuzzüge die natürlich die Welt wieder geöffnet haben kommt die Glasproduktion auch wieder hier hin bleibt aber nach wie vor was besonderes.

00:02:27: Wir hatten ja gesehen zwischen oder vorhin gehört in der Folge auch, dass es Waldgläser gibt.

00:02:32: Die hier in dieser Region eben üblich waren und die Soda-Gläser diese mittelalterlichen Gläser in Venedig und Apulien und auch Sizilien das war ein große Produktionsstätten im Mittelmeer.

00:02:46: Glas selber ist da müssen wir uns ein kleines bisschen einsteigen aber das weiß eigentlich jeder.

00:02:51: zunächst mal das Glas aus Sand besteht aus Quarzpartikeln also aus Geschmolz in einem Sand.

00:02:57: Aber das alleine reicht eben nicht, sondern man muss noch ein Flussmittel beigeben.

00:03:02: damit sieht es alles verbindet und da gibt es also sogenannte Silikate die dienen als Flussmittel Und im Mittelmeerregion hat man dazu Soda genommen Also Natiom-Karbonat.

00:03:15: Das verleiht den Gläsern einen fast durchscheinen Charakter manchmal etwas gelblich Unsere Region, wo man diese Möglichkeiten eben nicht hatte.

00:03:25: Wo kein natürliches so der Anstand hat Man eben Pottasche genommen also calcium carbonate.

00:03:30: das führt dazu dass die Gläser So ein leichten grün oder bläulichen Stich haben dann kann man Diese Waldgläser dann sehr gut und sehr schnell erkennen.

00:03:40: Und hier sind eigentlich die meisten gläser als Waldgläsern produziert von innen gleichen formen und sehr schön

00:03:46: Kleine Iselsbrücke, die Waldgläser sind leicht grünlich wie der Wald.

00:03:50: Genau!

00:03:50: Und es hat auch einen Grund warum die Waldglaser heißen denn im Wald hat man sehr viel Holz und dieses Holz hat man gebraucht um Glas herzustellen – die Asche nämlich.

00:04:02: Die dann eben beigemischt wurde als Fließmittel?

00:04:06: Ja also das fängt hier im Laufe des zwölften Jahrhunderts an dass Glas häufiger wird.

00:04:12: Im dreizehnten ist es dann fast üblich bei einem reichen, gut gedeckten Tisch sowohl auf einer Burg als auch im bürgerlichen Milieu gehört Glas dann schon dazu.

00:04:26: Vor allem diese Nuppenbecher wie der Name sagt also kleine Nuppe die außen angebracht worden sind.

00:04:31: Warum kann man viel darüber diskutieren?

00:04:34: Sie sind symmetisch angebracht.

00:04:36: Die Einsagen die sind angebracht wurden wenn man Fettigenfingern das Glas besser halten kann.

00:04:41: Das ist jetzt eigentlich nicht meine Vorstellung sondern Die sind einfach symmetisch angeordnet und sahen einfach schön aus.

00:04:48: Das ist für meinen Begriff eher eine Zierde, denn auch im Mittelalter wurden die Finger bei Tisch gewaschen.

00:04:55: Wir haben Aquamanile also Handwaschgefäße mit Wasser gefüllt worden Mit denen man sich bei Tisch die fettigen Finger wieder waschen konnte Und Aufhangbecken dazu in denen das Wasser dann aufgefangen wurde.

00:05:11: Also auch die mittelalterlichen Tischsitten waren durchaus so, dass man nicht mit fertigen Fingern alles angefasst hat.

00:05:17: Diese Ackvermanile haben ja oft sehr interessante Formen wie Tiere.

00:05:22: habe ich schon welche gesehen?

00:05:24: Ja

00:05:24: das ist im Grunde man braucht einen Gefäß ein Wasserbehälter den man dann ausließen kann.

00:05:31: da gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten aber es hat sich eben durchgesetzt da tatsächlich eine Tierform zu nehmen.

00:05:35: das sind in der Regel baurige Tiere Und Pferd habe ich auch schon gesehen, eine Pferdedarstellung.

00:05:41: Aber ich hab auch immer eins als Hahnartiges Gefäß gesehen und auch die unterliegen so ein bisschen dem Reichtum des Eigentümers.

00:05:51: es gibt also sehr kostbare aus Metall.

00:05:55: Ein größeres Gefäes ganz aus Metall ist schon an sich einen gewisser Wert.

00:06:00: oder Bronze vor allem Löwen gibt es natürlich als Ausgussgefäße und dann gibt es sehr einfache kramische Nachahmungen, ein bisschen zu einem kleinen Schweinchen aus Pinkstorferware.

00:06:11: Also da gibt es verschiedene Ausgestaltungen aber es zeigt eben dass man auch bei beim mittelalterlichen Essen sich sehr wohl die Hände gewaschen

00:06:22: hat.

00:06:22: Und das zeigt auch wie viel Humor die Menschen haben.

00:06:24: Ein kleines Schweinchel auf dem Tisch?

00:06:26: Das finde ich ja schon herrlich!

00:06:28: Genau Ja, jetzt haben wir auf dem Tisch Gläser.

00:06:31: Meistens Waldgläser Wir haben Aquamanile.

00:06:34: Wir haben Schüsseln um die Hände zu waschen.

00:06:37: Was stand noch auf dem Tisch?

00:06:40: Die Trinkbecher haben wir natürlich schon gehabt.

00:06:43: Größere Ausschankgefässe aus denen nachgefüllt wurde bei Tisch.

00:06:47: Man hatte natürlich auch einen Mund schenkt der dann den man anrufen konnte der dann ausgeschenkt hat.

00:06:52: aber es stand schon Krüge oder krugartige Ausschankgefäße auch auf dem Tisch.

00:06:57: Aber wir brauchen ja auch so ein bisschen noch was drumherum, ein gut gedeckter Tisch hat immer eine Reihe von Bestecken.

00:07:06: das war im Mittelalter noch nicht so sondern die Gabel kommt erst sehr viel später auf erst in der frühen Neuzeit.

00:07:13: Sondern man hat vor allem Messer und auch Löffelgab.

00:07:17: Das sind die beiden Es-Werkzeuge gewissermaßen außer den Fingern mit denen man natürlich auch essen durfte, die bei Tisch üblich waren.

00:07:27: Aber wir können jetzt keine speziellen Tischmesser unterscheiden in dieser Zeit.

00:07:31: Messer sind eben einfache kleine Messer, natürlich keine Kampfmesser oder Jagdmesser, sondern einfache kleinere Messer zum Steinen.

00:07:40: Ich habe auch schon solche ... Wie nennt man das?

00:07:45: sagt man in späteren Zeiten dazu tatsächlich gesehen, da hatte jeder sein eigenes Messer und seinen eigenen Löffel dabei.

00:07:53: Und da gab es dann auch sehr schöne Futterale mit denen man die auch am Gürtel befestigen konnte um sie sozusagen mitzunehmen.

00:07:59: also das war gar nicht so dass der Gastgeber das unbedingt zur Verfügung stellen musste sondern das war ein Gehörte zum persönlichen Gut in manchen Kreisen.

00:08:08: Da sind wir aber schon zeitlich weiter, da sind wir jetzt schon in der frühen Neuzeit.

00:08:11: Das ist richtig, da hat man diese Servise quasi und schon gehabt auch diese persönlichen Servise im Mittelalter.

00:08:21: ja gut wie will man das nachweisen wem was gehörte?

00:08:23: Wir finden nur im Abfall Metalllöffel, dass fahren die besseren Holzlöffeln finden wir nicht so häufig Aber das liegt daran weil sich organisches Material eben nicht gut hält.

00:08:33: Nur im feuchten Milieu also in einem Wassergraben beispielsweise eine Burg oder eine Stadt-Siegelung haben, mit feuchten Milieu.

00:08:41: Da finden wir dann immer wieder Holzlöffel.

00:08:43: also der Holzlöfel war sicherlich der typische Löffeltüb während der Metalllöffeln etwas besonderes.

00:08:50: Ich habe auch schon solche Wandschränkchen gesehen wo Löffel drin, was ist das?

00:08:55: Ich zwölf Löffeldrinnen nebeneinander aufgestellt waren.

00:08:58: ich weiß aber gar nicht aus welcher Zeit es sich...

00:09:01: Also es ist sicherlich keine Primärquelle, denn das wird nicht seit dem Mittelalter erhalten sein.

00:09:06: Es gibt in der Tat Wandschränke.

00:09:09: Das finden wir auf vielen Burgen.

00:09:11: wenn man die uns anschauen sehen wir wirklich in die Wand eingebaut kleine Wand Schränke mit zwei Regal-Schlitzen für Holzböden also für Regalbretter.

00:09:21: was aber darin jetzt wirklich auch bewahrt worden ist können wir nicht sagen.

00:09:25: gerne natürlich auch zwölf Metallernennwörfe weil das sicherlich etwas besonderes war.

00:09:31: Ich werde mal auf den Miniaturen gucken.

00:09:33: Manchmal hat man da ja solche Darstellungen von der Umgebung, wo man solche interessanten Haushaltsdetail sehen kann.

00:09:41: Komme ich aber zu einem Märchen, dem Märchen von von Dornröschen?

00:09:47: Wo es ja darum geht dass nicht genügend Haushaltgeräte vorhanden sind oder es gibt nicht genügen Teller von denen gegessen werden kann und das scheint mir doch so zu sein möglicherweise eine gewisse Anzahl hatte.

00:10:02: und wenn man das nicht hatte, dann gab es ein Problem.

00:10:05: Dann konnte man nicht so viele Gäste einladen.

00:10:09: Märchen sind ja oft solche interessanten Quellen natürlich nicht unbedingt fürs Mittelalter

00:10:15: Ja aber die gute Idee ist natürlich schon richtig.

00:10:19: wie immer Es gibt viele Arten von Alltag.

00:10:22: Ein reicher Alltag auf einer Burg Die auch gute Ressourcen hatte und man das auch darstellen wollte, meinetwegen jetzt die Garten von Katzenellenbogen bei ihren Burgen.

00:10:32: Die haben sicherlich eine ukulente Mahlzeiten auch serviert das kennen wir aus späteren Berichten wo für tagelange Feste eingekauft wurde und entsprechend wird auch das Tischgeschirr ausgesehen haben.

00:10:45: Das muss man unterscheiden von einer durchaus ärmlicheren Burganlage oder ärmlicherem Leben Wo auch der Burker selber bei der Felderbeit mit angepackt hat und da wird die Tischostattung natürlich nicht so opulent gewesen sein, wie wir sie in einer hoch oder einer gutgehenden Hochadeligen Burg gefunden haben.

00:11:09: Das heißt auch da sind mehr Holzgeschirre üblich gewesen.

00:11:12: man hat sich sicherlich auch einige Dinge geteilt.

00:11:15: ja Interessant und festzuhalten bleibt vielleicht, dass es schon eine Frage von Prestige ist.

00:11:21: Wie man sein Tisch deckt?

00:11:22: Und wie man seine Gäste bewirtet?

00:11:25: Dass das sogar in Sagen- und Legenden- und Märchen Einzug findet.

00:11:31: Worüber wir jetzt noch nicht gesprochen

00:11:33: haben... Auch die Tischordnung!

00:11:34: Wenn ich das noch kurz einpflegen darf, ist immer ganz wichtig wer rechts oder links vom Gastgeber sitzt.

00:11:39: Es gibt dieses berühmte Beispiel beim Hoffest von Friedrich Barbarossa in Mainz wo Ich glaube, es war der Erzbischof von Köln sich beleidigt fühlte weil er nur zur Linken sitzen durfte und dann mit seinen Tausend Rittern wieder abgereist ist.

00:11:55: Die Sitzordnung war eine ganz wichtige Sache gerade bei groben Veranstaltungen weil dadurch auch die Nähe zum Hausherren, zum Gastgeber und damit auch die Machtposition

00:12:09: zum Ausdruck gebracht wurde.

00:12:11: Wo man wieder sieht, die Katastrophen der Vergangenheit ist manchmal das Glück für heute oder jedenfalls vermehrtes unser Wissen.

00:12:18: Ja wir haben sehr viel gelernt über den gedeckten Tisch auf Burgen über die Küche in der vorherigen Folge über die Keramikgefäße in dieser Folge über Metall und Glas auf dem gedeckten Tisch im Mittelalter.

00:12:35: Ich freue mich schon auf unsere nächste Folge.

00:12:38: Vielen,

00:12:38: vielen Dank Herr Dr.

00:12:39: Reinhard Friedrich und wir hören uns wieder an dieser Stelle!

00:12:52: Wenn Sie mehr über die Arbeit der Deutschen Burgenvereinigung erfahren wollen oder sich für eine Mitgliedschaft in der deutschen Burgenvereinigung interessieren.

00:13:01: schauen sie auf unserer Homepage www.deutsche-burgen.org.

00:13:10: Alle Informationen finden Sie in den Show Notes dieses Podcasts.

00:13:15: Wir

00:13:15: freuen uns über Ihr Interesse!

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