Weihnachtszeit im Mittelalter - von Martini bis Heilig Abend
Shownotes
Nach Sankt Martin fing im Mittelalter die vorweihnachtliche Fastenzeit an. Plätzchen, Glühwein und Gänsebraten waren früher im Advent tabu. Auch Weihnachtsmärkte, Christbäume und Weihnachten als Familienfest entstehen viel später. Viele unserer Bräuche und Traditionen gibt es erst seit der Reformation. Dies und vieles mehr erfahren wir vom Europa weit bekannten Brauchtumsforscher und katholischen Theologen Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti.
Gefeiert wurde Weihnachten in der Kirche. Die Tradition der Krippe reicht bis ins 4. Jahrhundert zurück. Der Brauchtumsforscher und katholische Theologe Prof.Dr.Becker-Huberti erzählt von der Tradition der weihnachtlichen Krippenspiele, der Symbolik von Paradiesäpfeln und Tannengrün und was Maria und Eva gemeinsam haben.
Manfred Becker-Huberti ist ein deutscher römisch-katholischer Theologe. Er war von 1991 bis 2006 Pressesprecher des Erzbistums Köln. Seit 2007 ist er Honorarprofessor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar.
Wer mehr zum Thema Brauchtum lesen möchte, dem seien diese Bücher empfohlen: "Lexikon der Bräuche und Feste: Über 3000 Stichwörter mit Infos, Tipps und Hintergründen für das ganze Jahr" "Der Heilige Nikolaus. Leben, Legenden und Bräuche" "Die Heiligen Drei Könige. Geschichte, Legenden und Bräuche" "Das Brauchtum im Kirchenjahr: Entstehung, Bedeutung, Tradition" "Der Heilige Martin. Leben, Legenden und Bräuche" "ADVENTfasten: von St. Martin bis Weihnachten. Impulse, Rezepte & Brauchtum" "Die heiligen 12 Nächte: Der Rauhnacht-Kalender" Alles zum Beispiel bei Amazon:
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00:00:11: Hier
00:00:11: ist der
00:00:11: Podcast der Deutschen Burgenvereinigung.
00:00:14: Wir haben uns den Erhalt und die Erforschung europäischer Burgen und Schlösser zum Ziel gesetzt.
00:00:22: Hallo meine Lieben, hier ist Isabel Gronack-Walz und zunächst einmal möchte ich mich ganz herzlich bei euch bedanken, denn wir haben letzt Anfang Dezember tatsächlich die 15.000 Hörerschwelle überschritten.
00:00:39: Vielen Dank für eure treue Zuhörerschaft.
00:00:42: Das hat mich... riesig gefreut und bestärkt mich und alle hier von der Deutschen Burgenvereinigung natürlich darin, dieses Angebot weiter aufrecht zu erhalten.
00:00:52: Und für alle, die die neu dazugekommen sind, habe ich mich entschlossen, die beiden Folgen, die ich im letzten Jahr zur Weihnachtszeit aufgenommen habe, "Von der mittelalterlichen Tradition der Krippen- und Paradiesspiele" und "Wie wir im Mittelalter Weihnachten feierten", noch einmal zusammenzufassen, denn das Weihnachtsfest im Mittelalter war schon eine ganz andere Sache, als wir die heute kennen.
00:01:18: Und ich weiß, es gibt eine große Gemeinde an Hörern, die sich ganz ernsthaft mit Reanactment befassen und die sich damit befassen, wie hat man tatsächlich Weihnachten gefeiert?
00:01:29: auf den Burgen.
00:01:30: Denen sind diese beiden Folgen gewidmet oder diese eine neue Folge.
00:01:35: Und natürlich uns allen, die wir beim Glühweinen auf den Weihnachtsmärkten in den Burgen Schlössern heutzutage genießen, dass wir besinnlich beisammenstehen können, dass wir anschließend in die Wärme gehen können und dass wir anders als im Mittelalter die Adventszeit nicht als Fastenzeit begreifen, sondern als die Zeit, wo wir mit Freunden gemeinsam feiern und uns auf das Fest vorbereiten.
00:02:03: Und ich habe mich dazu unterhalten im letzten Jahr mit dem Experten und Brauchtumsforscher Dr.
00:02:10: Becker Huberti, der katholischer Theologe ist und der mehrere Bücher zu diesem Thema veröffentlicht hat.
00:02:20: Und hier ist er nun, Dr.
00:02:22: Becker Huberti
00:02:23: über
00:02:24: Weihnachten im Mittelalter.
00:02:29: Herr Prof.
00:02:29: Dr.
00:02:29: Becker-Roberty, ich freue mich sehr und Sie werden uns etwas erzählen zum Thema Advent und Weihnachten im Mittelalter, denn das, was wir heute kennen: die beschaulichen Weihnachtsmärkte, die vielen guten Festessen und die Geschenke, die schon lange vor Weihnachten kommen im Adventskalender, das kannte man im Mittelalter ja überhaupt nicht.
00:02:52: Wann fing denn die Zeit vor Weihnachten im Mittelalter an?
00:02:57: Die Zeit vor Weihnachten hat sich entwickelt ab dem vierten Jahrhundert.
00:03:03: Ab dem vierten Jahrhundert kam man auf die Idee, so wie vor Ostern es eine Vorbereitungszeit gab, sollte man doch auch eine anlegen vor Weihnachten.
00:03:15: Weihnachten ist damals mehr oder minder ein Tauftermin gewesen an dem man die Erwachsenen in der Kirche taufte und man überlegte, man braucht eine besinnliche Zeit mit Bußcharakter vorher.
00:03:35: und wenn man die zu Ostern doch mit vierzig Tagen hat, dann könnte man die doch auch mit vierzig Tagen vor Weihnachten anlegen.
00:03:45: Und da man in dieser Zeit begann, das Fest des Heiligen Martin zu feiern, am elften Elften, hat man nachgezählt und kam auf die Idee, das sind ja vierzig Tage, dann nehmen wir doch Martin als Ausgangspunkt für diese weihnachtliche Fastenzeit.
00:04:05: Und so kommt der Martinstag zum Begriff "Kaput Adventus", das Haupt des Adventes, also der Eintritt in die Adventzeit.
00:04:18: Und Martin entwickelt sich genauso wie die Fastenacht.
00:04:23: Macht ihn wird zu Schwellenfest.
00:04:25: Man darf oft macht ihn all das nochmal tun, was nachher verboten ist.
00:04:30: Also man darf ordentlich essen, man darf auch ordentlich was trinken.
00:04:35: Übrigens, der erste Rotwein aus dem laufenden Jahr, der wurde eben auf Martin getrunken.
00:04:43: Martinsminne, hieß das.
00:04:45: Und Martin wurde dadurch ein berühmtes Fest, das überall gefeiert wurde, denn jeder wollte was davon mithaben und noch viel mehr.
00:04:55: Martin war auch ein bäuerlicher Termin.
00:04:58: Die kleine Pacht musste bezahlt werden.
00:05:01: Und die wurde zu Zeiten, wo es kein Geld gab oder man kein Geld hatte, mit Lebensmitteln bezahlt.
00:05:08: Und schlachtreif zu diesem Termin sind die Gänse.
00:05:12: Und die kleinen Pächter, die bezahlten ihre Gutsherren eben mit Gänsen.
00:05:18: Die grinsten sich vergnügt in der Seite
00:05:21: ein Lächeln in die Tasche, denn die Gänse, die sie bekamen, die waren nicht nur etwas zu essen.
00:05:28: Und die hielten sich selber halt eben auch frisch, weil sie draußen herum liefen und fraßen, bis sie geschlachtet wurden, sondern sie hatten noch zwei Effekte, die die kleinen Leute gar nicht kannten.
00:05:40: Der eine Effekt, sie liefert und die Daunen ab, auf denen die Burgherren schon schliefen, während das gemeine Volk noch beim Stroh verblieben war.
00:05:51: Und das zweite, in der Zeit vor Pelikan und anderen Lieferanten von Füllfederhaltern waren es die Gänsefedern, die man brauchte umzuschreiben.
00:06:03: Die bekam man ebenfalls kostenlos dazu.
00:06:06: Insofern war Martini für alle Beteiligten ein interessanter Termin.
00:06:11: Und das Fest hatte natürlich auch einen Vorzeigecharakter, es zeigte auf, wie der Mensch leben soll.
00:06:21: Die Tat des Martin, dass er sein Mantel teilt, heißt ja: "Sei barmherzig!
00:06:28: Wenn du von Gott Barmherzigkeit erfahren willst, dann klappt das, wenn du selber auch barmherzig bist!"
00:06:34: Insofern dieser Zeigecharakter, dieser Vorzeigecharakter, der liegt diesem Fest ja inne und seinem Brauchtum.
00:06:43: Und es kommt noch etwas hinzu?
00:06:45: Die Symbolik, die entsteht, ist die, dass man Licht in die Dunkelheit bringt.
00:06:51: So wie Christus, als das Licht bezeichnet wird, das in die Dunkelheit seiner Zeit kam.
00:06:58: So sind die, die mit der Macht ins Lampe, durch die Gegengehen, die in ihn, die zeigen, wie man Licht in das Dunkel bringt.
00:07:06: Man bringt es nämlich durch Nächstenliebe, durch Barmherzigkeit.
00:07:10: Das ist das, was diesem Fest innen wohnt.
00:07:13: Ja, und vor allen Dingen können wir selber das Licht in die Welt bringen.
00:07:16: Ich glaube, das ist das, was uns heute auch noch so sehr daran fasziniert an diesem Fest.
00:07:22: Das ist eigentlich keine Barmherzigkeit, die von irgendwo kommt, sondern vom Menschen selber.
00:07:27: Und noch eine Sache fasziniert mich an diesem Martin immer, der teilt seinen Mantel.
00:07:33: Das heißt... Der gibt nicht seinen ganzen Mantel, sondern er gibt die Hälfte davon.
00:07:38: Und ich glaube, das ist etwas, womit wir uns so gut identifizieren können.
00:07:42: Denn wenn einer verlangt, dass wir alles geben, dann ist das schwierig, aber einen guten Teil abzugeben.
00:07:47: Das ist schon möglich.
00:07:50: Verzichten können heißt ja nicht immer Totalverzicht, sondern verzichten können heißt, von dem, was ich zu viel habe, etwas abgeben an die, die zu wenig haben.
00:08:02: und damit schaffe ich einen Ausgleich.
00:08:05: Das ist der Gedanke, den dahinter steht.
00:08:08: Es soll nicht so sein, dass einige besondere Vorrechte haben und andere nicht, sondern es soll gleich ausgeglichen sein.
00:08:18: Also für mich als Kind war St.
00:08:20: Martin auch immer der Auftakt zur Weihnachtszeit.
00:08:23: Jetzt ist es der Beginn der Fastenzeit, aber tatsächlich für mich war das auch immer... Der Beginn, wo man leckere Weckmänner bekam und ähnliche gute Dinge und das ist eine Fastenspeise.
00:08:35: Ja, der Weckmann ist ursprünglich eine Fastenspeise, aber auf Martini durfte er auch Rosinen enthalten, die durchaus nicht in die Fastenzeit gehören, denn Martini selbst war ja noch kein Fastenstag.
00:08:49: Im Gegenteil, das war ein Tag, an dem man nochmal Schlemmen durfte, zum Abgewöhnen natürlich.
00:08:56: Es gibt ja auch die Martini Märkte, das heißt die Märkte vor Weihnachten, die dann eigentlich zu unseren Weihnachtsmärkten werden und die hatten ja einen ganz praktischen Nutzen.
00:09:07: Wir haben eben gehört, die Pacht wurde bezahlt, das heißt die Menschen hatten zu dem Zeitpunkt Geld, soweit ich weiß, wurden auch die Knechte ausgezahlt, das heißt auch die hatten Geld zu diesem Zeitpunkt, dieses Geld musste man natürlich anlegen, um Vorräte für den Winter oder vielleicht auch einen neuen Mantel zu kaufen, neue Schuhe und ähnliches und all so etwas gab es, so wie ich informiert bin, auf diesen Märkten, den Weihnachtsmärkten oder den Martini-Märkten.
00:09:36: Die Märkte der damaligen Zeit hatten nicht den Charakter einer Vergnügungsveranstaltung, wie wir das heute kennen, sondern sie waren dazu da, um einen Bedarf abzudecken, den sonst niemand abdecken konnte.
00:09:50: Also Gewürze für die Festspeisen, Kleidung, die man sonst nirgendwo bekam zu dieser Gelegenheit, aber angeboten wurde.
00:10:00: Und dieses Vergnügen... dass wir heute in den Vordergrund stellen.
00:10:06: Das bestand damals darin, dass ich manchmal weite Wege hinter mich bringen musste, um zu solch einem Markt zu kommen und deshalb dankbar war, wenn ich da etwas zu essen kaufen konnte.
00:10:18: Und daraus entwickelte sich dann dieser Vergnügungspart, der später dann eine größere Rolle übernahm.
00:10:26: Das später ist aber sehr viel später, denn man muss sehen, dass diese Märkte ursprünglich den alten Charakter beibehielten, auch in den sogenannten modernen Zeiten und das Vergnügen.
00:10:40: Dieser Märkte ist etwas, was in der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg langsam aber sicher es aufkommt.
00:10:49: Auch die Entdeckung des Elften, Elften, nicht nur als Martinstermin, sondern als Karnevalstermin, weil Elf ja eine Narrenzahl ist.
00:10:58: Das passiert erst in der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.
00:11:03: Bis dahin hat das alles sein alten Charakter.
00:11:06: Und die Adventszeit als Fastenzeit hat offiziell bestanden bis in den letzten Jahren.
00:11:14: Wenn Sie so wollen, vom vierten Jahrhundert an... entwickelt sich das und besteht offiziell bis zu den Ersten.
00:11:22: Erst dann hat das Kirchenrecht mit seiner neuen Fassung ab den Advent als Fastenzeit aufgegeben.
00:11:32: Wie ist denn das eigentlich?
00:11:33: diese Fastenregeln kommen, die zu uns über die Klöster oder gibt es da andere Quellen?
00:11:40: Das Fasten ist natürlich etwas, was über die Mönche zu uns kommt.
00:11:45: Die Mönche, die eben Fasten aus religiösen Gründen.
00:11:49: Es geht nicht darum abzunehmen, sondern es geht darum, seine Sinne zu schärfen.
00:11:55: Und wenn ich meine Sinne schärfen will, dann muss ich alles Sinnliche wegnehmen, was sie daran hindern könnte.
00:12:03: Und da wussten die Mönche ziemlich genau, gutes Essen und gutes Trinken.
00:12:07: Das ist etwas, was einem die Sinne schon mal rauben kann.
00:12:10: Und dementsprechend wurde das reduziert.
00:12:13: Das wurde angewandt auf die allgemeine Bevölkerung.
00:12:17: Und zwar in einer Schafe, wie wir sie heute gar nicht kennen, sondern verzichtet werden musste auf alles, was Milch enthielt, also Lactizinien, alles, was fett war.
00:12:31: Fleischliches Fett, also keine Butter, auf dem Brot und ähnliches mehr.
00:12:37: und natürlich Alkohol war komplett verboten und man durfte kein Fleisch essen.
00:12:46: Dementsprechend waren die Regeln relativ hart.
00:12:49: Wer also die Fastenzeit durchmachte, der wusste, auf was er da verzichtete.
00:12:55: Jetzt sind Fastenspeisen ja oft Gebäcke.
00:12:58: Und das liegt daran, dass man eben auf irgendeine Art und Weise doch an die Kalorien kommen musste, um das Leben aufrecht zu erhalten, wenn man schon kein Fleisch und keine Eier und Milch haben durfte.
00:13:10: Ich habe gehört, Lebkuchen gehört auch dazu.
00:13:12: Das ist ja für mich auch eine Süßigkeit.
00:13:14: Ja, aber Lebkuchen ist ursprünglich ein Lebensmittel, das für Kranke hergestellt wurde.
00:13:21: Lebkuchen, also lebenserhaltend.
00:13:26: Der Gedanke ist eben auf diese Art und Weise, das zuzuführen, was ansonsten wegfiel.
00:13:33: Zum Beispiel Starkbier gehört auch in diese Ecke hinein, denn die Mönche mussten ja irgendwie ihre körperliche Arbeit noch durchführen können.
00:13:44: Und da kann man auf die Idee, sie dürfen nicht... Besonders viel Bier trinken, das war in der Ordensregel festgeschrieben, wie viel das war.
00:13:53: Und dann hat man das Bier stärker eingebraut, um auf diese Art und Weise dann die Kalorien an die Leute zu kriegen.
00:14:01: Und dann natürlich gab es jede Menge Tricks, wie man dann den lieben Gott Die Menschen sagten bescheißen konnte.
00:14:10: Das Herrgottbescheißerle ist natürlich vor allen Dingen dieses Gericht, dass es im Süddeutschen gibt, wo man eben das Fleisch versteckt in einem Stück Teich und es dann schluckt in der Hoffnung, dass der liebe Gottes nicht sieht oder... Manch ein Adliger, der jagen durfte, der jagte natürlich gerade auch in der Adventszeit.
00:14:34: Und wenn er einen Hirsch geschossen hatte und diesen Hirsch hätte liegen lassen müssen, weil er in der Fassenzeit darauf verzichtete, kam er auf die dumme Idee, den bis zum nächsten Teich zu bringen.
00:14:48: in den Teich einzutauchen und zu sagen, alles was ich aus dem Wasser hole ist Fisch und das darf in der Adventszeit gegessen werden.
00:14:56: Also Tricks dieser Art hat es natürlich gegeben.
00:14:59: Sie waren aber nicht der Normalfall.
00:15:01: Ich habe auch schon mal gehört, dass Gefügel, also Wassergefügel auch zu den Fischen gezählt wurde aus genau dem gleichen Grund.
00:15:08: Die Gänse hatten ja die Füße im Wasser.
00:15:10: Deshalb galten sie als Fische.
00:15:12: Ja, die Leute waren schon ganz schön erfinderisch um Regeln zu umgehen.
00:15:17: Jetzt bereiteten sie sich vor auf den heiligen Abend und das Weihnachtsfest und das war dann ein veritables Fest, wo dann das Fasten gebrochen wurde.
00:15:27: Ja, Weihnachten wurde im Mittelalter in der Kirche gefeiert und nicht zu Hause.
00:15:34: Zu Hause gab es was Besseres zu essen.
00:15:36: Ja, es gab Schweinebraten und es gab Knödel und es gab Sauerkraut, wenn sie so wollen.
00:15:44: Das ist das eigentliche Weihnachtsessen.
00:15:47: Die modernen Formen von Weihnachtsessen, die kommen erst später.
00:15:51: Zum Beispiel die Gans als Weihnachtsspeise.
00:15:54: Die war ja schon mal gut vorbereitet durch Martin und Martinsgans.
00:15:59: Aber modern wird sie durch eine englische Königin.
00:16:04: Nämlich die englische Königin, die aß an einem Tag eben die Gans, die Glück bringend sein soll und an diesem Tag ging die spanische Armada unter, die im Begriff war England anzugreifen.
00:16:18: Elisabeth die erste.
00:16:19: Ja,
00:16:19: Elisabetdie erste.
00:16:21: Und weil die Gans ihr geholfen hat, hoffte man das für sich auch und deshalb kam die Gans zu Weihnachten auch auf unsere Tische.
00:16:30: Dort wird ja noch ein anderer Brauch sehr viel stärker gefeiert als bei uns.
00:16:34: Und das sind diese Twelve Days of Christmas, die auch alle einen bestimmten Namen haben.
00:16:39: Diese zwölf Tage zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag.
00:16:44: Und die haben, glaube ich, heidnische Ursprünge.
00:16:46: Kann das sein?
00:16:48: Wird immer wieder gerne behauptet.
00:16:50: Ich bin da mehr als skeptisch, denn der alte Begriff, unter dem sie geführt werden, heißt Rauhnächte.
00:17:00: Das kommt nicht von dem Fell der Tiere, das ja auch mit dem Begriff Rauch belegt ist, sondern von Räuchern, Rauchnächten.
00:17:10: Das sind die Nächte, in denen Haus und Hof ausgeräuchert wurde, und zwar mit Weihrauch, um die bösen Geister zu vertreiben.
00:17:19: Weihrauch gilt als Geister abwährend.
00:17:24: Wo Weihrauch ist, das Parfüm des lieben Gottes, wie man so schön sagt, da haben die Geister kein Zuhause.
00:17:31: Und genau das ist der Hintergrund, warum man dies tat.
00:17:35: Das war am Weihnachten das erste Mal und das letzte Mal in der sogenannten Oberstnacht.
00:17:42: Das ist die Nacht auf den Sechsten hin, wo die Geister eine bestimmte Rolle spielen.
00:17:48: Und wenn man das nachverfolgen will, Wieso die Leute auf so eine Idee kamen, muss man sich das Wetter anschauen in diesen zwölf Nächten, das oft verbunden ist mit Sturm, mit Regen und mit Geräuschen, die sich ergeben.
00:18:04: Und die wurden interpretiert als das Ziehen der wilden Jagd.
00:18:10: Da gibt es auch Leute, die dann die Verbindung zur vorchristlichen Zeit ziehen.
00:18:15: Das kann man vielleicht tun.
00:18:17: Aber es ist keine Herkunft aus der vorchristlichen Zeit, sondern beginnt sich durch das christliche Brauchtum zu entwickeln.
00:18:25: Die bösen Geister müssen vertrieben werden und das tun wir mit Weihauch.
00:18:31: Die bösen Geister, die uns auch schon mal begegnet sind, zu Halloween, also noch vor dem heiligen Martinsfest.
00:18:39: Wo kommt denn der Brauch her, am heiligen Abend Geschenke zu verteilen?
00:18:43: Das ist ja auch ein junger Brauch, den es im Mittelalter nicht gibt.
00:18:46: Nein, zu Weihnachten hat es früher eigentlich Geschenke in dem Sinne nur gegeben, wenn der Gutsherr mit seinem Personal zu Weihnachten zusammen traf.
00:18:57: Da gab es einen Umtrunk, da bekamen die Mägde neue Schürze und der Knecht war neue Schuhe.
00:19:03: und damit hatte es sich. Gefeiert wurde zu Hause.
00:19:06: überhaupt nicht.
00:19:07: Gefeiert wurde nur in der Kirche.
00:19:11: Dieses Schenken zu Weihnachten entsteht mit der Reformation.
00:19:16: Macht den Luther verlegt das Feiern in die Wohnung, in die Familie nach Hause und dort entwickelt sich dieses romantische Feiern, wie wir es auch heute noch kennen, wie die einen es hassen und die anderen es lieben.
00:19:35: Nämlich Gedichte aufsagen, Lieder vorspielen, singen und feierlich essen und die Oma dabei und den Tante Carla und den Onkel Fritz alle an einem Tisch.
00:19:50: Und genau das ist etwas, was sich ab dieser Reformation entwickelt.
00:19:55: Und zwar als Stock evangelischer Brauch.
00:19:58: Mit allem was dazugehört: der Christbaum.
00:20:01: Ursprünglich Stock evangelisch.
00:20:04: Kein Katholik.
00:20:05: wollte ein Christbaum haben.
00:20:06: Das gab es gar nicht.
00:20:07: Das war das Kennzeichen der anderen Fraktion.
00:20:11: Und genau diese Dinge beginnen sich dann aufeinander zuzuentwickeln.
00:20:16: In der Zeit um neunzehnhundert und den ersten Jahrzehnten die Folgen beginnt dieses Brauchtum langsam ökumenisch zu werden.
00:20:28: Aber auch das konnte man natürlich immer noch mit so einem kleinen Touch zur Seite hin klarmachen, wo der eigene Standpunkt war.
00:20:38: Beispiel Köln.
00:20:40: Er hängt in einer katholischen Kirche in Köln zum ersten Mal ein Adventskranz.
00:20:50: Stock evangelisch.
00:20:51: Eine Erfindung von "Wichern" im "Rauhen Haus" in Hamburg.
00:20:57: Dieser Adventskranz, der in der katholischen Kirche hängt, hatte einen kleinen Kleine Änderung, denn ursprünglich sind die Kerzen natürlich rot, vier rote Kerzen und der Küster hat eine Kerze ausgetauscht gegen eine rosafarbene.
00:21:17: Das ist der Hinweis auf den vierten Sonntag Lettare, der schon Ausblick nimmt auf Weihnachten und ein besonderer Tag ist, besonderer Adventtag.
00:21:28: Das heißt, So war der Adventskranz erkennbar als katholischer Adventskranz und hatte sich dann abgesetzt von dem evangelischen Vorbild.
00:21:37: Und der evangelische Adventskranz, der ist, ich sage schon, Adventskranz nach Gutkölsch, der ist auch eine Erfindung der Reformation.
00:21:48: Der ist eine Erfindung eines evangelischen Pfarrers und zwar ursprünglich mit einer Kerze pro Advent Tag.
00:21:56: Und das war natürlich relativ gefährlich, so viele Kerzen auf einmal zu haben.
00:22:01: Vor allen Dingen in einem Haus mit erziehungsbedürftigen Zöglingen.
00:22:07: So kam man dann auf eine andere Idee.
00:22:09: Ich glaube, dass sich noch ein Stück weiter zurückverfolgen ist.
00:22:14: Denn dieser erste Adventkanz steht auf einem Karrenrad.
00:22:20: Da sind die Kerzen aufgebaut und man konnte das Rat dann an die Decke hängen.
00:22:25: Dieses Karrenrad Das gab in dieser Zeit den Hinweis darauf, dass die Feldarbeit nicht mehr stattfand.
00:22:34: Nach Martinisch stellten die Bauern ihre Werkzeuge in der Scheune ab und demonstrierten auf diese Art und Weise, die Feldarbeit ist zu Ende.
00:22:45: Das äußere Zeichen war ein abmontiertes Karrenrad, das man von außen an die Scheune montierte, so dass jeder auf dem Hof sehen konnte.
00:22:55: Feldarbeit findet zurzeit nicht statt.
00:22:58: Die Pfarrer der damaligen Zeit hatten Angst, dass auf diese Art und Weise der alte Sonnenkult wieder lebendig werden könnte.
00:23:07: und verboten deshalb, dass dieses Karrenrad meistens doch mit einer grünen Gelande umwunden von außen an der Scheune anmontiert war.
00:23:16: Die Bauern haben gesagt, naja gut, wenn die Angst haben, dann haben sie es von der Rückseite anmontiert.
00:23:22: Das heißt, es gab zur Zeit von Wichern bereits dieses grüne Rad, das umflochten war, mit Grün von den Bäumen, wobei es egal war.
00:23:36: ob das Fichte oder irgendwas anderes war.
00:23:40: Und das hat er genommen und hat darauf die Kerze gesetzt.
00:23:44: Wann war das ungefähr?
00:23:46: Der Wichern ist achtzehnhundert und noch was.
00:23:49: Ein hochinteressantes Thema.
00:23:50: Ich merke schon, wir haben noch einiges vor uns, was wir hier besprechen können.
00:23:54: Jetzt danke ich Ihnen erstmal vielmals für diese Einblicke in unser traditionelles, altes Brauchtum und wo es herkommt.
00:24:03: Was hat es mit der Krippe und der Tradition der Krippe auf sich?
00:24:09: Die Krippe Christi ist ein Bild dafür, in welchem Elend Gott in diese Welt gekommen ist.
00:24:17: Das ist der Gedanke, der dahinter steht.
00:24:20: Das heißt, die Krippe, das Bild der Krippe in der Kirche zu Weihnachten, ist eigentlich uralt und geht zurück bis in das vierte Jahrhundert.
00:24:29: Seitdem entwickelt sich dies immer weiter.
00:24:32: Ein anderer Markstein ist die Krippe des Heiligen Franz.
00:24:38: Franz von Assisi, der eine Grippe in der Natur aufbaut, mit echten Menschen und im echten Esel und im Ochsen, die dabei standen.
00:24:49: Das heißt, er versucht es in die Gegenwart hineinzugeziehen.
00:24:53: Und das ist etwas, was dazu geführt hat, dass man in den Kirchen dann Grippen aufbaute.
00:25:00: Ja, und da gibt es noch die Krippenspiele.
00:25:02: Die Krippenspiele, die ja in der Kirche aufgeführt werden.
00:25:07: In der Kirche wurden zwei Spiele aufgeführt zu Weihnachten.
00:25:12: Das eine ist das Krippenspiel und das andere ist das Paradiesspiel.
00:25:21: Denn man muss bedenken, der Vierundzwanzigste zwölfte ist der uralte Gedenktag für Adam und Eva.
00:25:30: Was der Kirchenkalender tut, ist, er stellt die Personen gegeneinander, die das Elend die Erbsunde in die Welt brachten und die, die es wieder rausholten.
00:25:44: Die alte Eva, das ist die, die den Apfel vom Baum nahm, von dem sie nichts nehmen durfte und damit die Erbsunde in die Welt brachte.
00:25:54: Und die neue Eva ist die Maria.
00:25:57: die eben den in die Welt brachte, der die Welt von der Erbsünde erlöste.
00:26:03: Und gezeigt wird das dadurch, es gibt viele Marienplastiken, die zeigen wie Maria einen Apfel in den Händen hält und diesen Apfel dem Jesuskind gibt.
00:26:14: Dieser Apfel ist ein doppelbödiges Bild.
00:26:19: Der Apfel im lateinischen heißt Malum und das Böse heißt ebenfalls Malum.
00:26:27: Also der Apfel stellt das Böse dar und der Apfel in der Hand der Maria ist die Erbsünde, die von Jesus, wenn ich das mal modern sagen soll, entschärft wird.
00:26:40: Er ist derjenige, der die Erbsünde aus der Welt schafft.
00:26:43: So viel zur Macht der Frauen.
00:26:45: Ja
00:26:46: und genau das wird dargestellt im Paradiesspiel.
00:26:50: Und dieses Paradiesspiel ist auch Dann die Begründung dafür, dass der Weihnachtsbaum auftaucht.
00:26:57: Denn wenn im Paradiesspiel die Eva die Frucht vom Baum nimmt, dann muss das natürlich ein grüner Baum sein.
00:27:05: Den Früchte hängen immer nur an grünen Bäumen.
00:27:08: Das ist in unserer Gegend relativ schwierig zu dieser Jahreszeit.
00:27:14: Also musste was Grünes her, Tanne, Fichte, Ilex, alles was Grün war, ging und da knüpfte man dann ein Äpfelchen dran.
00:27:23: Ein rotes Äpfelchen.
00:27:25: Das waren die Äpfelchen, die als Vitamin C Bomben über den Winter zu Hause lagen.
00:27:32: Und dieser Apfel symbolisierte dann eben die Erbsünde, die in die Welt kam.
00:27:38: Und der Baum der blieb stehen, bei dem nächsten Spiel, bei dem Krippenspiel, was dann an der gleichen Stelle aufgeführt wurde, Es gab keine Requisiteure, wie es sie heute gibt, die dann die Bühne abräumen und neu aufräumen.
00:27:54: Der Baum stand da und so wuchs dieser grüne Baum in das Krippenspiel hinein und wurde kennzeichnet auch für das Krippenspiel.
00:28:04: Erst als die Weihnacht aus der Kirche auswandert, überlegten die Menschen, dass mit dem Baum ist so gar keine dumme Idee.
00:28:14: Dieser Baum kennzeichnet eben auch den heiligen Abend, die Christgeburt, den nehmen wir mit, wenn wir draußen feiern.
00:28:22: Und so entwickelt sich dieser Baum in zwei Richtungen.
00:28:26: Die eine Richtung ist die, dass er zum Lichterbaum wird.
00:28:31: Der evangelische Adel setzte den Baum auf den Gabentisch, steckte Kerzen dran, übrigens zwölf Kerzen für jeden Monat eine.
00:28:41: und hatte damit das Licht, das in die Dunkelheit kommt, in die Symbolik des Weihnachtsfestes zu Hause übernommen.
00:28:48: Die einfachen Leute feierten Weihnachten zusammen mit der Innung.
00:28:54: Also alle Innungs- Mitglieder feierten Weihnachten und die hatten die Kinder mit dabei.
00:29:00: Und deshalb hingen an diesem Baum keine Kerzen, sondern an diesem Baum hingen Geschenke und Brezel und Ähnliches mehr.
00:29:09: Wenn die Feuer dem Höhepunkt entgegen ging, dann durfte dieser Baum, wie es hieß, abgebrezelt werden.
00:29:17: Daher kommt es mit dem
00:29:19: Aufbrezeln und Abbrezeln.
00:29:20: Ja.
00:29:21: Die
00:29:21: Kinder
00:29:21: durften sich ihre Geschenke dort holen.
00:29:25: Sehr schön.
00:29:26: Ich habe übrigens auch noch einen Beitrag zur alten und neuen Eva.
00:29:30: Das kann man im Kölner Dom sehr schön sehen.
00:29:32: Da haben wir ja diese Fenster, die tatsächlich das alte und das neue Testament einander gegenüberstehen.
00:29:38: Da haben wir diese Darstellungen immer einander gegenübergestellt.
00:29:41: Und im Kölner Dom gibt es noch eine sehr interessante Darstellung der Weihnachtsgeschichte in den ganz alten Fenstern.
00:29:50: Da liegt Maria nämlich noch, wie das nach einer Geburt alle Frauen tun würden und erst in den neuen Fenstern da kniet sie.
00:29:59: Das ist ja auch eine sehr merkwürdige Entwicklung, dass man sich vorstellt, Maria bringt Jesus zur Welt und dann kniet sie davor.
00:30:07: Ja, aber das ist das symbolische Denken des Mittelalters.
00:30:12: Die alte Variante, das liegen auf der Cline, auf dem... Wo sich das Wort Klinik draus entwickelt hat, also auf diesem Bett, das zeigt die natürliche Geburtsszene.
00:30:24: Das Knien vor dem Kind, das zeigt die Anerkennung des Kindes als Gott.
00:30:29: Da ist Maria dargestellt als Theotokos, das ist der griechische Fachbegriff für Gottesgebärerin.
00:30:38: Für die gelten dann menschliche Regeln nicht.
00:30:41: So haben sie genauso dann die Darstellung der Maria als Trohn Christi, wenn sie sitzt und das Kind auf ihrem Schoß hält.
00:30:50: Da ist Maria auch abgestellt als Thron und das Kind, drei Tage alt, segnet die Besucher, die vorbeikommen.
00:31:00: Was ja auch nicht möglich wäre bei einem normalen Kind.
00:31:04: Aber Gott kann das natürlich auch am dritten Tag als Baby tun.
00:31:08: Und das sind diese Dinge, die uns heute schwer verständlich sind, weil wir nicht mehr symbolisch denken.
00:31:15: Ja, aber wir haben in diesem Podcast ein wenig dazu beigetragen, diese Dinge zu erklären.
00:31:21: Vielen, vielen Dank, Herr Becker-Huberti.
00:31:24: Mir hat das ganz große Freude bereitet und ich werde jetzt nochmal auf all unsere weihnachtlichen Symbole mit ganz anderen Augen blicken.
00:31:34: Das war der Podcast der Deutschen
00:31:36: Bogenvereinigung.
00:31:38: Mein Name
00:31:38: ist Isabel Gronack-Walz.
00:31:41: Das war die Folge zu Advent und Weihnachten im
00:31:44: Mittelalter.
00:31:45: Ganz
00:31:45: besonders möchte ich auch noch auf eine unserer älteren
00:31:48: Folgen
00:31:49: hinweisen.
00:31:50: "Die Burg im Winter", wo man sehr viel darüber erfährt, wie die Burg oder die Menschen auf der Burg sich im Mittelalter auf den Winter vorbereitet haben und was
00:32:01: diese Jahreszeit
00:32:02: ausgezeichnet hat.
00:32:04: Ich freue mich schon auf unsere nächste Folge des Podcasts.
00:32:07: Bis dann und frohe Weihnachten!
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